Digitale Mobilität

Fahrzeug und Haltestelle

Motivation

Die Haltestelle und das Fahrzeug sind aus Sicht der Mobilitätsnutzer zentrale Nutzungselemente in der Reisekette. Zur Bewältigung der Reisekette, z.B. beim Ein- und Aussteigen sowie Umsteigen, benötigen sie Mobilitätsinformation. Insbesondere bei einer überregionalen und Ländergrenzen überschreitenden Nutzung des ÖV nimmt diese eine Schlüsselfunktion für die Reise von Tür zu Tür ein. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass die Mobilitätsinformation (beispielsweise Echtzeit-Fahrgastinformation, Verfügbarkeit und Buchung von Sharing-Angeboten, Ticketing) an Haltestellen und in Fahrzeugen eine zentrale Rolle einnimmt.

Die Haltestelle als Knotenpunkt
Die Haltestelle als Knotenpunkt der Mobilität und heterogenes IT-System

In der Haltestelle und im Fahrzeug finden sich i.d.R. jedoch unterschiedliche proprietäre Komponenten, wie z.B. Fahrgastanzeigen, Audioanlagen und Ticketautomaten, die jeweils einen Teil zur Mobilitätsinformation beitragen, aufgrund der Vernetzung der einzelnen Komponenten aus Gesamtsystemsicht jedoch häufig weder lückenlos noch konsistent. Dadurch ist der Fahrgast mit einer hohen Heterogenität der Mobilitätsinformation konfrontiert, durch die sein Bedarf an Mobilitätsinformation nicht konsistent, transparent und verlässlich gedeckt werden kann.

Eine Standardisierung der Schnittstellen in Fahrzeugen und Haltestellen ist ein wesentlicher Beitrag zur intermodalen Nutzung des Mobilitätsangebotes über verschiedene Mobilitätsräume hinweg, mit den folgenden Hebelwirkungen für eine innovative Weiterentwicklung:

  • Zukunftsfähigkeit für alle Teilnehmer im Kontext von Haltestellen und Fahrzeugen, wie z.B. Verkehrsunternehmen, Betreiber, Kommunen, Industrie
  • Investitionsschutz für Hersteller und Verkehrsunternehmen durch eine risikoarme und vereinfachte Implementierung innovativer Komponenten
  • Öffnung des Marktes zur Erhöhung der Wettbewerbs- und Innovationkraft
  • Unterstützung bei der Umsetzung der Anforderungen im Kontext von Barrierefreiheit (PBefG 2013)

Projektinhalt

Das Verbundprojekt DiMo-FuH befasst sich mit der Entwicklung von standardisierten Schnittstellen und Standards zur Vernetzung von Systemen für die Fahrgastinformation im ÖV. Dabei wird insbesondere die räumliche Umgebung der Haltestelle und des Fahrzeugs als zentralem Verbindungspunkt in der intermodalen Reisekette der Mobilitätsnutzer berücksichtigt.

Dabei lässt sich das Projekt in zwei Schwerpunkte unterteilen: auf der einen Seite der Schwerpunkt „Vernetztes Fahrzeug“, auf der anderen Seite der Schwerpunkt „Vernetzte Haltestelle“. Diese zwei Schwerpunkte werden in der Phase der der Anforderungsanalyse, Systemarchitekturkonzeption, Schnittstellenspezifikation sowie Implementierung parallel vorangetrieben und anschließend in drei Testumgebungen (Labortest, Feldtest München, Feldtest Köln) erprobt. Ziel der Tests (und Hauptziel des Projekts) ist es, die entwickelten Komponenten auf Praxistauglichkeit und vor allem auf Eignung für eine Aufnahme in Standards zu überprüfen. Die Vorschläge zur Standardisierung werden basierend auf den Ergebnissen der vorausgehenden Arbeitspakete erarbeitet.

Das Vorhaben berücksichtigt bereits bestehende Standards, wie sie in den VDV-Schriften und -Mitteilungen festgehalten sind, sowie weitere Normen und Spezifikationen für die betrachteten Anwendungsfälle.

Kernziele

Ziel ist die Entwicklung von standardisierten Schnittstellen und Standards zur Vernetzung von Systemen, die zur Fahrgastinformation im ÖV herangezogen werden können, unter besonderer Berücksichtigung der räumlichen Umgebung der Haltestelle und des Fahrzeugs als zentralen Verbindungspunkt in der intermodalen Reisekette der Mobilitätsnutzer.

Diese Standardisierung ist eine unabdingbare Voraussetzung, um die Konsistenz, Transparenz und Verlässlichkeit der Mobilitätsinformation für die Mobilitätsnutzer entscheidend und nachhaltig zu verbessern. Zur Gewährleistung dieser Konsistenz und Verlässlichkeit ist es nicht nur notwendig, die Schnittstellen zum Mobilitätsnutzer, sondern auch die betrieblichen Schnittstellen zu den Komponenten in den Haltestellen, zur Mobilitätssteuerung, zum Fahrzeug und zu weiteren multimodalen Mobilitätsanbietern und den Auskunftssystemen (EKAP) zu strukturieren und zu standardisieren.

Hierbei sind insbesondere die folgenden Kommunikationspartner zu betrachten:

  • die Haltestelle
  • zentrale ITCS-Systeme
  • das mobile Kundenendgerät
  • das Fahrzeug
  • die das Fahrzeug umgebende und beeinflussende Infrastruktur
  • andere Mobilitätsanbieter

Die Schaffung offener und transparenter Schnittstellen und geeigneter Interaktionsprotokolle zwischen den Systemen des Öffentlichen Personenverkehrs ist zugleich eine Maßnahme, welche eine Monopolisierung auf dem Markt der Mobilitätsanbieter deutlich erschwert, da der Kunde zwischen den Angeboten verschiedener Verkehrsanbieter auswählen kann. Zugleich werden die verschiedenen Mobilitätsanbieter zu einer deutlich stärkeren Kundenorientierung geführt und eine Mindestqualität der Angebote gewährleistet.


INIT SE Technische Universität Ilmenau Fraunhofer FIT IVU Traffic Technologies Kölner Verkehrs-Betriebe Mentz Stadtwerke München Trapeze Verkehrsbetriebe Karlsruhe Verband Deutscher Verkehrsunternehmen